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Inhalt
So. Das hier ist eine kurze Geschichte... nehmt euch Zeit sie zu lesen.. und versucht, euch in die Hauptperson hineinzuversetzen.
Quietschend öffnete sie die das große Tor zum Friedhof. Die langen, mit Herbstblättern zugedeckten Kieswege lagen still zwischen den Gräbern, und ein kühler Wind wehte durch die Bäume... es war genau wie immer, seit ihre besten Freunde verstarben. Sie ging den Weg, der direkt vor ihrer Nase lag, weiter und stand nach einiger Zeit an einer großen Gabelung. Links führte der Weg in Richtung des Grabes ihrer besten Freundin. Und der Weg nach rechts führte zu dem Grab ihres besten Freundes. Sie sah es schon aus weiter Entfernung... das rote, wallende Band, welches die beiden Gräber verband. Es schien unter dem Weg zu flattern, eine fast reale Illusion. Sie blickte auf den Weg und das wehende Band... es flattert im Wind der Unendlichkeit, unzertrennbar, unzerschneidbar. Sie ging weiter. Sie war nun fast in der Mitte des Weges angekommen, am Mittelpunkt der Verbindung der beiden Gräber... Am Mittelpunkt des schwierigsten Ganges, den sie je in ihrem Leben gegangen war. Das Band flatterte weiter vor ihrem inneren Auge. Erinnerungen kamen in ihr hoch... ihre besten Freunde, zusammen glücklich. Ein flüchtiges Lächeln huschte bei dieser Erinnerung auf ihr Gesicht und verschwand so schnell, wie es gekommen war. Sie erinnerte sich daran, wie sich die Beiden immer mehr von ihr entfernten... umso mehr sie sich stritten. Umso mehr sie zwischen den Fronten stand. Und als die Verbindung der beiden brach, als das reale Band gebrochen war, brach ihr Herz mit. Sie war entsetzt darüber, wie es so kommen konnte. Doch sie merkte bald, dass es zwecklos war, es gab nichts mehr zu tun... das Band war endgültig zertrennt und löste sich mehr und mehr in einzelne Fäden auf, die im Wind davonflogen. Gedanken vom Tod überkamen sie. Würde sie mehr rechts oder mehr links begraben werden? "Ich kann es mir aussuchen...", flüsterte sie leise in den Wind. Tränen stiegen ihr in die Augen, doch sie hielt sie tapfer zurück. Der Friedhof war menschenleer... und es überkam sie ein Gefühl der Einsamkeit. Nichts war ihr geblieben... ihre besten Freunde waren tot. Langsam kehrten ihre Gedanken wieder in die Realität zurück. Zuerst nach links oder nach rechts? Sie blickte sich um. Die Wege waren lang, deswegen konnte sie die Gräber ihrer Freunde nicht sehen.. welches Grab es wohl nötiger hat? Sie griff die Gießkanne, die sie für die Grabpflege dabei hatte. Eine Weile dachte sie noch nach... die Blumen auf dem Grab von Ihr sind stark. Sie würden es auch ohne sie schaffen. Entschlossen bog sie nach rechts ein. Nach einigen Metern Fußweg kam sie am Grab ihres besten Freundes an... die Blumen blühten nicht mehr, sie waren noch nicht verwelkt, aber man sah ihnen an, dass die Blütezeit vorbei war. Nach Wasser suchend schaute sie sich um. Als sie einen Hahn entdeckte, füllte sie die Gießkanne auf und goß die Blumen. Lächelnd erzählte sie Neuigkeiten... doch sie wusste, sie würde keine Antwort erhalten. Nie wieder. Die Gießkanne stand auf dem Boden und sie begann zu beten... mit aller Hoffnung, die ihr diese Welt ließ, betete sie für seine Seele. Dann trat sie den Rückweg an. Als das Grab ihrer besten Freundin in Sicht kam spürte sie es schon... die maßlose Reue. Sie wusste es, sie sah es, sie war wieder zu spät gekommen...wie schon so oft. Müde und traurig blickte sie auf die verwelkte Blume. Noch vor einiger Zeit hatte sie so schön geblüht. Was war nur geschehen? Doch vielleicht war es besser so. Keine Blume kann ewig blühen... Eine Pause. Ein Neuanfang. Eine neue Chance... Erneut holte sie Wasser und kümmerte sich um das Grab. Sie betrachtete die verbliebenen Blumen. Sie hatten wunderschöne Blütenfarben, alles nur erdenkliche... aber sie ließen ihre Köpfe hängen. Allesamt, von Anfang an. Und wieder betete sie... damit Ihre Seele Frieden fand. Auf dem Kies sitzend dachte sie an früher. An das Lachen ihrer besten Freundin... und an Sein Lachen... einige Tränen kullerten ihre Wange hinunter. Sie stand auf und begab sich auf den Rückweg. Sie stand wieder auf dem Mittelpunkt des Weges und gedachte noch einmal ihrer Freunde. "Ich komme bald wieder...", sagte sie leise zu sich selbst und tief in ihrem Herzen glaubte sie fest daran, dass Sie sie hören konnten. Kurz vor dem Tor blickte sie sich noch einmal um. Und ihre Augen erstarrten... was war das? Was sah sie da auf der Gabelung? Ihre Augen wurden größer. Sie sah die Beiden. Glücklich, Hand in Hand lachten sie sich an. Sie fing an zu lächeln, doch gleichzeitig stiegen ihr die Tränen in die Augen. Sie rannen immer schneller... bis ihr Oberteil feucht war. Und sie ging zurück - erst langsam gehend, dann rennend. Sie war noch nicht ganz da, und schon begann das Bild zu verblassen... sie lachte immer noch. Es war genau wie früher... es war alles in Ordnung. Sie brauchte vor nichts und niemandem Angst haben, denn ihre Freunde waren alle da... Je näher sie Ihnen kam, umso mehr verblasste die Einbildung. Doch das machte keinen Unterschied für sie... fröhlich streckte sie Ihnen die Hand entgegen, und kurz bevor sie die Beiden berührte spürte sie einen stechenden Schmerz in ihrem Herzen. Ächzend gaben ihre Knie nach. Sie fühlte es. Es war das gleiche Gefühl. Das Gefühl, welche sie hatte, als die Beiden sich getrennt hatten. Es war genau der selbe Schmerz... ihr Herz fühlte sich an, als bräche es in zwei Teile. Doch das machte ihr nichts mehr aus. Denn sie wusste, dass sie bei Ihnen war. Ein Gefühl der Geborgenheit... Und sie lächtelte Ihnen ins Gesicht, auch wenn ein ganzes Meer an Tränen ihre Wangen hinunterlief. Sie streckte ihre Hand weiter nach Ihnen aus. Sie schaffte es, das Bild zu berühren... Und das war der Moment, indem ihr Oberkörper nach vorne auf den Kies fiel. Tränen des Glücks, der Freude und der Trauer rannen immernoch ihr Gesicht hinunter... doch sie war glücklich. Sie waren glücklich... Und Sie schienen ihren Seelenfrieden gefunden zu haben. Rechts oder Links? Das war keine Frage mehr. Sie starb... Sie starb genau in der Mitte des Weges. Auf dem Mittelpunkt zwischen beiden... weit entfernt von jedem, das wohl. Aber nicht allein... Das Bild war verschwunden, doch in ihrem Kopf sah sie es noch. Sie lachten wie früher... Langsam schloss sie die Augen. Die Vögel zwitscherten. Das Laub der Bäume wurde von einem sanften Windstoß davongepustet. Sanft stieg ihre Seele aus ihrem Körper... in eine andere, neue Welt.
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